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'florentina-fusca'
Ophrys flammeola
Ophrys gackiae
 


Ophrys flammeola, Sizilien Niscemi 11.3.02
Ophrys flammeola,
Sizilien Niscemi 11.3.02

 
Ophrys flammeola, Sizilien Niscemi 3.4.98
Ophrys flammeola, Sizilien
Niscemi 3.4.98  
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Ophrys gackiae, Sizilien Niscemi 11.3.02
Ophrys gackiae, Sizilien
Niscemi 11.3.02  
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  10-Mar-2005

 
Dies ist ein ziemlich trauriges Kapitel aus der Erforschung der sizilianischen Pseudophrys, die erst in den letzten Jahren passierte. Im Jahr 1988 hatten Hannes F. PAULUS und Claudia GACK zwischen Ophrys fusca und Ophrys lutea stehende Pflanzen in verschiedenen Teilen Siziliens so zahlreich gefunden, dass es sich um eine gute Art handeln musste, Hybriden also ausgeschlossen werden konnten. In dem 1972 vom Ehepaar DANESCH herausgegebenenen Buch 'Ophrys Hybriden' fanden sie auf Seite 176 vier Bilder dieser Sippe, die DANESCH damals als Hybriden zwischen Ophrys fusca und lutea angesehen hatten. In Sizilien konnten PAULUS und GACK keinen Bestäuber finden, aber als sie solche Pflanzen zum Monte Pollino im nördlichen Kalabrien mitnahmen, zogen diese Männchen der Sandbienen Andrena florentina und in geringerem Maße auch die der Andrena thoracica an. Provisorisch nannten sie die Sippe deshalb 'florentina-fusca'. In Jber. naturwiss. Ver. Wuppertal 43 (1990) berichteten sie darüber, wobei auch 3 schwarz-weiße Bilder dieser Sippe gezeigt wurden. Ich weiß nicht, warum PAULUS und GACK diese sizilianische Pseudophrys in den folgenden Jahren nicht weiter bearbeiteten.
Zehn Jahre später, im Jahr 2000, beschrieb Pierre DELFORGE in Natural. belges 81 (Orchid. 13) eine zwischen Ophrys fusca und lutea stehende Sippe als Ophrys flammeola. Ich bin sicher, dass dies die 'florentina-fusca' ist. Doch aus lauter Vermutungen konstruierte DELFORGE eine Begründung, warum seine Ophrys flammeola nicht die von PAULUS und GACK untersuchte 'florentina-fusca' sein konnte. Er argumentierte, die 'florentina-fusca' wäre eine inhomogene Mischung von bis zu vier verschiedenen Arten. Zwar nannte DELFORGE auch Ophrys flammeola als einen der vier von ihm vermuteten Bestandteile der 'florentina-fusca', doch beteuerte er, er hätte an einem der von PAULUS und GACK genannten Fundorte eine fusca s.l. Sippe gefunden, die deren Charakterisierung entspräche, und die er für die 'florentina-fusca' hielte. Auf der o.g. Seite des Buches 'Ophrys Hybriden' von DANESCH vermutete er zudem im Bild f die im Jahr 2000 ebenfalls von ihm beschriebene Ophrys archimedea, obwohl das Bild nach meiner Ansicht klar dieselbe Art Ophrys flammeola zeigt wie die drei anderen Bilder. Keinerlei konkreten Hinweis hatte er für den von ihm geäußerten Verdacht, PAULUS und GACK hätten womöglich auch noch die bisher nur auf dem Monte Lauro bei Buccheri gefundene Ophrys laurensis zu ihrer 'florentina-fusca' gezählt.
Im Jahr 2004 beschrieb DELFORGE in Natural. belges 85 (Orchid. 17) die von ihm für 'florentina-fusca' gehaltene Sippe formal als Ophrys gackiae. Dabei wiederholte er die gleichen Vermutungen und Verdächtigungen wie in Natural. belges 81 über die seiner Ansicht nach inhomogene Zusammensetzung der 'florentina-fusca'. Doch wie Sie rechts selbst sehen können, hat Ophrys gackiae keinerlei Einschlag von Ophrys lutea, und DELFORGE selbst hat sie in der 2. Auflage 2001 seines Feldführers auch nicht in die 'subfusca-Gruppe', sondern in die 'funerea-Guppe' einsortiert. Doch da PAULUS und GACK die Zwischenstellung ausdrücklich betont, sowie entsprechende Bilder gezeigt, und auf weitere eindeutige Bilder bei DANESCH verwiesen hatten, kann DELFORGEs Ophrys gackiae gar nicht die 'florentina-fusca' von PAULUS und GACK sein. Wie üblich bei seinen Neubeschreibungen machte DELFORGE keine Angaben über den Bestäuber der Ophrys gackiae.
Dass DELFORGE die Pflanze auch noch nach Frau GACK benannte, mutet nach dieser Vorgeschichte wie Hohn an.
 
Inhalt Hintergrund-Foto: Ophrys flammeola
Sizilien Cammarata 29.4.98
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